Modehandel unter Druck: Warum Kärntens Innenstädte jetzt handeln müssen
Steigende Kosten, sinkende Kaufanteile und Konkurrenz aus Asien verändern den Modehandel grundlegend. Hanns Stattmann: Wer lebendige Innenstädte erhalten will, muss die Rahmenbedingungen für den stationären Handel verbessern.
Der österreichische Mode- und Freizeitartikelhandel steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Eine aktuelle Branchenanalyse des Instituts für Österreichs Wirtschaft (iföw) zeigt: Die wirtschaftlichen Belastungen steigen, während die Spielräume der Unternehmen kleiner werden. Besonders betroffen sind regionale Handelsbetriebe, die mit hohen Kosten, verändertem Konsumverhalten und wachsender Onlinekonkurrenz umgehen müssen.
Für Hanns Stattmann, Bezirksgruppenobmann und Obmann des Kärntner Modehandels ist die Entwicklung alarmierend: „Der Modehandel ist weit mehr als ein Vertriebskanal. Er bringt Frequenz in Ortskerne, schafft Arbeitsplätze und sorgt für Lebendigkeit in unseren Innenstädten. Wenn Standorte verschwinden, verliert die Region insgesamt.“
Weniger Geschäfte, weniger Frequenz
Die Zahlen zeigen den Strukturwandel deutlich: 2023 waren österreichweit 45.657 Menschen im Modehandel beschäftigt. Gleichzeitig ist die Bedeutung von Mode im privaten Konsum langfristig zurückgegangen. Vor rund 30 Jahren flossen noch 7,2 Prozent der Konsumausgaben in Mode – zuletzt nur noch 4,5 Prozent.
Parallel dazu verändert sich das Kaufverhalten. Bereits 49 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten kaufen zumindest gelegentlich Mode online. 2020 waren es noch 36 Prozent. Besonders stark wächst der Onlineanteil bei älteren Zielgruppen. Mittlerweile hat bereits etwa jede vierte Person in Österreich Mode über Plattformen wie Temu oder Shein bestellt.
Schließungen treffen längst nicht nur kleine Händler
Die Folgen werden sichtbar: In den vergangenen zehn Jahren sank die Zahl der Modegeschäfte an relevanten Standorten um 22 Prozent auf 4.254 Standorte. Besonders stark betroffen ist der Schuhhandel. Insgesamt verschwanden Österreichweit seit 2015 mehr als 1.200 Geschäfte. Bemerkenswert: 68 Prozent der Schließungen entfielen auf Filialen großer Ketten.
„Es geht längst nicht mehr um Einzelfälle. Der Anpassungsdruck betrifft den gesamten Markt – vom Familienbetrieb bis zum großen Filialisten“, beschreibt Stattmann die aktuelle Situation.
Leerstand wird zum Standortproblem
Besonders kritisch: Wenn Modegeschäfte schließen, bleiben die Flächen oft leer. In 42 Prozent der Fälle entsteht laut Analyse keine direkte Nachnutzung.
Der Wirtschaftsbund Kärnten sieht deshalb auch Eigentümer und Standortpolitik gefordert. Steigende Mieten bei gleichzeitig sinkender Wirtschaftlichkeit verschärfen die Situation zusätzlich.
Mehr Flexibilität statt alter Strukturen
Ein weiterer Belastungsfaktor liegt in den Beschaffungsprozessen der Branche. Viele Händler müssen Ware bis zu eineinhalb Jahre im Voraus bestellen – in einem Markt, der sich heute wesentlich schneller verändert. Das erschwert kurzfristige Reaktionen auf Nachfrage und verschafft vertikal integrierten Anbietern Vorteile.
Daher braucht es Maßnahmen auf mehreren Ebenen:
- bessere Rahmenbedingungen für stationären Handel
- mehr Flexibilität entlang der Lieferketten
- faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber internationalen Plattformen
- Maßnahmen zur Belebung von Innenstädten
„Wer attraktive Ortskerne und regionale Wertschöpfung erhalten will, muss Handel wieder als Standortfaktor verstehen – nicht nur als Verkaufsfläche“, fordert Obmann Hanns Stattmann ein allgemeines Umdenken.

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