WB-Zirkel 2023: Teamspirit, Mut und Austausch

Zahlreiche UnternehmerInnen folgten der Einladung des Wirtschaftsbundes zum WB-Zirkel 2023. Hochkarätige Vorträge, spannende Diskussionen und inspirierende Keynotes prägten einen Abend, der im Zeichen von Teamspirit, Mut und Austausch stand.

Spitzensportler und Motivationscoach Mag. Dieter Kalt machte den Anfang und brachte die Menge zum Jubeln, denn „in Kärnten spielen wir um zu gewinnen!“

Dass KI nicht dein Feind sondern Freund ist – davon hat uns Mag. Delphine Rotheneder überzeugt. Neben vielen Praxistipps rund um Chat GPT & Co gab es noch einen humorvollen Hinweis am Rande: „Sei höflich zu deiner KI, man weiß ja nie!“

Dr. Kristin Hanusch-Linser betonte in ihrer packenden Keynote „Mut zum Change“, die Kunst, Krisen zu Happy Ends zu verwandeln.

Gesamt ein inspirierender und spannender Nachmittag und Abend für alle TeilnehmerInnen, der mit vielen Selfies und geselligem Netzwerken ausklang.

SAVE THE DATE: WB-Zirkel 14.03.2024

Aufgrund des großen Erfolges ist der Termin für den nächsten WB-Zirkel bereits fixiert. Freut Euch auf eine fulminante Fortsetzung!

Klagenfurt am Abstellgleis? Warum die Koralmbahn-Zukunft kein Schlafwagen sein darf

In weniger als 800 Tagen ist es gelebte Realität. Die Koralmbahn hält regelmäßig am Klagenfurter Hauptbahnhof. Chance und Risiko für die Stadtentwicklung Klagenfurts.

„Derzeit scheint die Klagenfurter Stadtregierung diesen Zug allerdings zu verpassen – ein Desaster, das es abzuwenden gilt“, kritisiert LGO-Stv. Franz Ahm. Wie kann also sichergestellt werden, dass Klagenfurt bestmöglich von dieser sozio-ökonomischen Jahrhundertchance profitiert?

Die Koralmbahn, die Klagenfurt und Graz in nur etwa 45 Minuten verbinden wird, bietet eine Vielzahl an ökonomischen und infrastrukturellen Chancen. Mit einer Gesamtinvestition von rund 5,5 Milliarden Euro verspricht dieses Verkehrsprojekt ein Katalysator für regionale Entwicklung zu werden. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2025 geplant, und die erwartete Kapazität liegt bei ungefähr 20 Millionen Fahrgästen pro Jahr. Die Bahn wird die wirtschaftliche Vernetzung zwischen Kärnten und der Steiermark revolutionieren und könnte den Güterverkehr um bis zu 31 Prozent steigern, was wiederum die Wettbewerbsfähigkeit der angeschlossenen Regionen erhöhen wird.

Bisher sind dies lediglich Planspiele, doch steht dahinter ein Potential, das von allen betroffenen Regionen genutzt werden muss. Genau hier zeigen sich massive Versäumnisse der Klagenfurter Stadtpolitik und dafür findet Ahm klare Worte: „Die kaum zu überbietende Lethargie im Klagenfurter Rathaus ist geradezu tragikomisch.“ Einmal mehr zeigt sich, wie unvorbereitet und naiv die politisch Verantwortlichen in Zukunftsfragen sind. „Während sich andere auf die wirtschaftliche Entwicklung und die Zukunft vorbereiten, beschäftigt sich unsere Stadtregierung mit kleingeistigen Streitereien und verpasst damit wertvolle Chancen“, klagt der WB-Funktionär.

Deshalb fordert der Unternehmer und Interessenvertreter ein Paket an Maßnahmen umzusetzen, das sicherstellt, dass die regionale Wirtschaft den den Anschluss nicht verpasst:

  • Gesamtkonzeption Bahnhofsviertel (Station City): Ziel ist es, Klagenfurt als zukunftsorientierte Stadt zu positionieren, die nicht nur vom Bahnhof bis zur angrenzenden Bildungsmeile reicht.
  • Revitalisierung der Bahnhofstraße: Eine Neugestaltung muss die Bahnhofstraße zu einer vitalen Lebensader zwischen Innenstadt und Bahnhof transformieren.
  • Agentur für Wirtschaftsentwicklung: Ein ganzheitliches Wirtschaftsleitbild mit einer Ansiedlungsoffensive für die AREA Süd ist notwendig, um Unternehmen zu gewinnen und zu fördern.
  • Durchdachtes Mobilitätskonzept: Die Entwicklung eines Infrastrukturnetzes für zukunftsfähige ÖPNV-Lösungen und ein modernes Radwegenetz sind dringend erforderlich.
  • Weiterentwicklung des Lendkanals: Dieser soll als urbane Wasserstraße zwischen Innenstadt, Universität und Wörthersee fungieren.

In den verbleibenden 800 Tagen muss von den Klagenfurter EntscheidungsträgerInnen das nachgeholt werden, was in den letzten Jahren versäumt wurde, sonst sind über 100.000 BürgerInnen einmal mehr Opfer von fataler Stagnationspolitik.

Kärntens neue Strategie gegen Arbeitskräftemangel

„Bis zum Jahr 2040 fehlen Kärnten bis zu 50.000 Menschen im erwerbsfähigen Alter, wenn wir nicht jetzt die richtigen Maßnahmen setzen!“ warnt Jürgen Mandl. Diese demografische Verschiebung stellt eine ernste Bedrohung für den regionalen Wohlstand dar und erfordert schnelle und effektive Lösungen.

Vielfältige Maßnahmen zur Behebung des Fachkräftemangels

LGO Präsident Jürgen Mandl schlägt ein ganzes Bündel von Maßnahmen vor, um dem bereits bestehenden und zukünftigen Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken. Hierzu gehört der Ausbau der Kinderbetreuung, um den Wiedereinstieg von Müttern in Vollzeitpositionen zu erleichtern, sowie Steuerentlastungen für PensionistInnen, die ihre Expertise weiterhin im Arbeitsmarkt einbringen möchten. „Um die Leistungsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes und den gesellschaftlichen Wohlstand in Kärnten zu erhalten, ist allerdings ein qualifizierter Zuzug aus dem Ausland unumgänglich“, betont Mandl.

Internationale Rekrutierung als Schlüsselstrategie

Die Landesregierung hat Mandls Initiative aufgegriffen und die Etablierung einer Standortagentur für Arbeitskräfte beschlossen. Gezielt soll hier die Rekrutierung von Fachkräften aus dem Ausland, insbesondere in den Sektoren Pflege, Elektronik/Elektrotechnik und Metallbearbeitung, erfolgen.

Gelebte Willkommenskultur als Erfolgsfaktor

Für die neu rekrutierten Fachkräfte sind umfassende Integrationsmaßnahmen in Planung. Neben Sprachkursen wird auch Unterstützung bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen und bei der Anerkennung von Qualifikationen angeboten.

Finanzierung und Zukunftspläne

Für diese Initiative sind dank des Einsatzes von Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig  im kommenden Jahr mindestens drei Millionen Euro von Seiten des Landes vorgesehen. Entsprechende Kommunikationsmaßnahmen im Rahmen der Akquise werden durch das Standortmarketing im Ausmaß von rund 1,4 Millionen Euro unterstützt.

Busunglück auf B317 zeigt erneut dringenden Bedarf für Sicherheitsausbau

Walter Sabitzer, Bezirksobmann St. Veit, unterstreicht die dringende Notwendigkeit eines Sicherheitsausbaus der B317 nach schwerem Busunglück bei Micheldorf.

Der tragische Vorfall zeigt die unaufschiebbare Erfordernis, Maßnahmen zur Verkehrssicherheit der B317 umzusetzen, eine Straße, die immer wieder Unfälle mit Todesopfern verzeichnet, zuletzt im Mai dieses Jahres. „Die Verbesserung der Straßensicherheit auf der B317 ist buchstäblich eine lebenswichtige Angelegenheit“, betont Sabitzer.

Der Bezirksobmann kritisiert zudem Verkehrsministerin Eleonore Gewessler für die Aussetzung der bereits fortgeschrittenen Ausbaupläne der B317. „Ein vierspuriger Ausbau der B317 bis zur Landesgrenze ist unverzichtbar, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten und den Wirtschaftsstandort Mittelkärnten zu stärken“, sagt er. „Jeder vermeidbare Unfall und jedes Todesopfer auf der B317 ist inakzeptabel, und die Verantwortung dafür liegt bei Ministerin Gewessler.“

Abschließend weist Sabitzer auf die klaren Ausbauversprechen im Kärntner Regierungsprogramm hin. „Diese Versprechen müssen jetzt umgesetzt werden“, fordert er. „Der neu entstehende Wirtschaftsraum zwischen Kärnten und der Steiermark benötigt bestmögliche Verkehrsverbindungen, sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße.“

Das war unser Familienfest „mitnånd“

Unser Familienfest „mitnånd“ war ein voller Erfolg und ein lebendiges Beispiel für Gemeinschaft und Zusammenhalt. Bei strahlendem Sonnenschein fand sich die WB-Familie zusammen, um einen Tag voller Spaß, Spiel und Gemeinschaft zu erleben. Verschiedene Spielstationen für die Kleinen, kulinarische Köstlichkeiten für die Großen und eine Hüpfburg sorgten für gute Laune bei allen Altersgruppen. Die entspannte Laune war nahezu greifbar und die fröhlichen Laute spielender Kinder waren an jeder Ecke vernehmbar.  „mitnånd“ hat gezeigt, dass Gemeinschaft und familiärer Zusammenhalt in unserer schnelllebigen Zeit nichts an Bedeutung verloren haben. Wir freuen uns bereits auf das nächste Familienfest und die Gelegenheit, erneut mitnånd wunderbare Momente zu erleben.

 

Bezirksobmann Walter Sabitzer begrüßt die Erneuerung des 110-kV-Netz in Mittelkärnten

Mehr als 100 Millionen Euro werden in den nächsten zehn Jahren in die Erneuerung des 110-kV-Netzes in der Region Mittelkärnten investiert. Damit wird, so Walter Sabitzer, die Region zu einem attraktiven und zukunftsfähigen Lebens- und Wirtschaftsraum.

Es sind sehr erfreuliche Nachrichten, die Kärnten Netz heute in einer Presseaussendung bekannt gab. Mehr als 100 Millionen Euro werden in den nächsten zehn Jahren in die Erneuerung des 110-kV-Netz in der Region Mittelkärnten investiert. Damit wird die Basis für eine zukunftssichere Netzinfrastruktur geschaffen. „Das ist eine sehr wichtige und zukunftsweisende Investition, die die Energieversorgung für unsere Betriebe verbessert und auch Arbeitsplätze sichert. Die Erneuerung des 110-kV-Netz trägt auch dazu bei, unsere Region zu einem attraktiven und zukunftsfähigen Lebens- und Wirtschaftsraum zu machen. Mittelkärnten wird dadurch für zukünftige Betriebsansiedlungen um ein Vielfaches attraktiver“, unterstreicht Walter Sabitzer, Bezirksobmann von St. Veit.  Er betont auch, dass mit dieser Investition neue Möglichkeiten für erneuerbare Energie geschaffen werden, um die Ökobilanz der Region weiter zu verbessern und gleichzeitig die Wirtschaft zu stärken. Viele Betriebe decken bereits einen beträchtlichen Teil ihres Strombedarfs aus alternativen Energien wie PV-Anlagen ab und unterstreichen damit einmal mehr ihre Bereitschaft, mit Investitionen zur Energiewende beizutragen. Sabitzer wird sich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass der Wirtschaftsstandort Mittelkärnten zum Vorreiter in Sachen nachhaltiger Energieversorgung in Kärnten wird. Bestes Beispiel sind Unternehmen, die in diesem Bereich schon jetzt zu den Weltmarktführern zählen.

Politische Skandale und Machtspielchen gefährden Zukunft von Klagenfurt

Nach einer jüngsten Gemeinderatssitzung wurde das Rathaus der Landeshauptstadt Klagenfurt von LGO-Stv. Franz Ahm scharf kritisiert.

Statt dringender Weichenstellungen hätten politische Skandale und Machtspielchen das Gremium stundenlang in Tagesordnungsdiskussionen gefangen gehalten.
Ahm betonte, dass die politische Selbstbeschäftigung die eigentlichen Aufgaben des Gemeinderats vernachlässigt und die Zukunftsperspektiven der Stadt gefährdet.

In einer bemerkenswerten Entwicklung hat der Stellvertretende Landesgruppenobmann Franz Ahm das Rathaus der Landeshauptstadt Klagenfurt wegen seiner intensiven Selbstbeschäftigung kritisiert. Die Gemeinderatssitzung, die kürzlich stattfand, wurde von Ahm als abschreckendes Beispiel für die Auswirkungen politischer Skandale und Machtspielchen beschrieben. Statt wichtiger Entscheidungen und Weichenstellungen für die Zukunft der Stadt sei das Gremium in endlosen Tagesordnungsdiskussionen gefangen gewesen.

Besonders die bevorstehende Inbetriebnahme der Koralmbahn biete große Chancen für Klagenfurt, die es zu nutzen gelte. Ahm forderte, dass die Stadt angemessene Schritte unternehme, um die Herausforderungen anzugehen, die sich aus diesem Großprojekt ergeben. Angefangen von der Lösung der Parkplatzsituation bis hin zur Entwicklung einer „Station City“ rund um den Bahnhof, gebe es anspruchsvolle Projekte, die umgesetzt werden müssen.

Ahm drängte darauf, dass die politischen Akteure ihre persönlichen Interessen zurückstellen und im Sinne der Stadt handeln sollten. Die Zukunft von Klagenfurt hänge davon ab, dass die Verantwortlichen vernünftige Entscheidungen treffen und sich den dringenden Herausforderungen stellen. Ahm forderte abschließend die Politiker auf, ihre Ämter und Pflichten gewissenhaft auszuführen, um das Beste für die Stadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner zu erreichen.

Haberl kritisiert negative Berichterstattung über Ferialjobs

Ein Kommentar:

Als Obmann der Sparte Handel des Wirtschaftsbundes Kärnten und somit Sprecher von mehr als 8300 Unternehmerinnen und Unternehmern, die mehr als 42.000 Arbeitsplätze in Kärnten schaffen, erlaube ich mir, Bezug zu nehmen auf den Bericht vom 10. Juli auf kaernten.orf.at betitelt mit “Rechte und Pflichten bei Ferialjobs”.

Die Art und Weise der Berichterstattung mit Worten wie beispielsweise “böse Überraschungen am Ende des Sommers”, “verbotenerweise Überstunden”, “Auf das Kleingedruckte achten”, “Finanzielle Auswirkungen” etc. zeichnet ein negatives Bild der Arbeitswelt und rückt Arbeitgeber in ein Licht, das keinesfalls der Wirklichkeit entspricht. Darüber hinaus steht in der Überschrift auch das Wort “Pflichten”, über die jedoch im Bericht nichts zu lesen ist.

Wir Unternehmer würden uns freuen, wenn beispielsweise positiv darüber berichtet wird, dass die Kärntner Betriebe mit Ferialjobs jungen Menschen die Möglichkeit geben, in verschiedenste Berufswelten zu schnuppern und sich damit für ihre berufliche Zukunft zu orientieren. In Zeiten des Fachkräfte- und Mitarbeitermangels liegt es darüber hinaus im Eigeninteresse jedes Unternehmens, sich dabei von der besten Seite und als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren, um Arbeitskräfte zu rekrutieren. Mit einer Vier-Tage-Woche, erweiterten Urlaubszeiten, mit der Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, mit Weiterbildungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz etc. bieten viele Unternehmen ein Arbeitsumfeld, das weit über die gesetzlichen Erfordernisse hinaus geht. Eine korrekte finanzielle Abrechnung ist für 99,99 % der Unternehmerinnen und Unternehmer eine Selbstverständlichkeit, auch wenn die Arbeiterkammer regelmäßig darüber berichtet, wie viele Millionen sie “erstreitet”. Die Millionen Euro hören sich betragsmäßig natürlich viel an, bewegen sich jedoch im Vergleich zur gesamten Lohnsumme aller Kärntner Unternehmen im Hundertstel-Promille-Bereich, was auch einmal erwähnt werden sollte.

Generell soll eine wirtschafts- und arbeitsfreundliche Berichterstattung dazu beitragen, jungen Menschen zu vermitteln, dass Arbeit kein notwendiges Übel, sondern ein wesentlicher, sinnstiftender Teil eines erfüllten Lebens sein soll. Genauso wie es die Generationen vor uns verstanden haben und damit den Grundstein für die soziale Sicherheit und den Wohlstand gelegt haben, in dem junge Menschen heute aufwachsen.

Mit farbenfrohen Grüßen und den besten Wünschen für einen schönen Sommer,

 

Raimund Haberl

Neue Helden braucht das Land

Es ist kompliziert. Diese ursprünglich als humorvolle Beschreibung des Beziehungsstatus gedachte Formulierung gilt neuerdings in so gut wie allen Belangen des Miteinanders.

Alt gegen Jung bei den Pensionen, Arm gegen Reich bei den Steuern, Alteingesessene gegen Neuankömmlinge bei den sozialen Sicherungssystemen. Von der „Spaltung der Gesellschaft“ ist allerorts die Rede. Besonders deutlich wird das Auseinanderdriften allerdings im Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft: Wo das Recht auf Selbstverwirklichung zur Religion erhoben wird, bleibt für die Pflicht zur Gemeinschaft wenig Raum.

Ob privater Freundeskreis, Sozialversicherung oder Wirtschaftskammer: Die Hyperindividualisierung, das ständige „Sich-neu-erfinden“ stellt das persönliche, berufliche oder staatsbürgerliche Umfeld oft vor Herausforderungen. In den vergangenen Monaten hat sich beispielsweise die Diskussion um Voll- und Teilzeitarbeit verschärft. Das Beschäftigungswachstum des vergangenen Jahres im Vergleich zu 2021 geht zum allergrößten Teil auf das Konto von Teilzeitjobs (ein Plus von 7 Prozent), während die Vollzeitstellen nur um 1,6 Prozent zunahmen. Hinter dem Teilzeitboom stehen einerseits Betreuungspflichten — erstmals arbeitet mehr als die Hälfte aller Frauen in Teilzeit, davon etwa 40 Prozent der Kinder wegen —, andererseits aber auch stark zunehmend bei Männern eine veränderte Einstellung zu Leben und Beruf, Stichwort: Work-Life-Balance.

Nun ist dieser Begriff schon allein deshalb — vorsätzlich? — irreführend, weil es keinen Gegensatz zwischen Arbeit und Leben gibt, der ausbalanciert werden müsste. Arbeit, ob Erwerbs-, Familien- oder Gemeinschaftsarbeit, ist ein sinnstiftender Teil des Lebens, nicht sein Gegenteil. Die richtigen Antagonisten heißen Arbeitszeit und Freizeit, und viele Menschen tendieren nicht erst seit Corona, aber seitdem verstärkt dazu, ihre persönliche Balance eher bei 20 als bei 40 Arbeitswochenstunden einzupendeln.

Und diese individuelle Entscheidung verschärft nicht nur den aktuellen Arbeitskräftemangel für die Wirtschaft ganz dramatisch, sondern schafft auch ein ernstes gesellschaftliches Problem: Sich nur mit halber Kraft ins Zeug zu legen, aber alle sozialen Leistungen vom Bildungs- über das Gesundheits- bis zum Sozialsystem zur Gänze in Anspruch nehmen zu wollen, geht sich sehr schnell nicht mehr aus. ExpertInnen wie die Ökonomin Monika Köppl-Turyna warnen schon seit Monaten vor der Teilzeitlücke: „Demografisch bedingt haben wir immer weniger Arbeitskräfte. Wenn jetzt noch jeder Einzelne weniger arbeitet, wird das Arbeitsvolumen sinken. Das wird ein Problem für alle staatlichen Leistungen werden.“

Klar ist eines, und dazu muss man weder Volkswirt noch Mathegenie sein: Wir werden in Zukunft mehr oder länger arbeiten müssen, wenn wir unseren Wohlstand und unsere Wohlfahrt als Gesellschaft erhalten wollen. Wir werden dazu alle digitalen Helferlein und qualifizierten Zuzug aus dem Ausland brauchen. Und einen gemeinsamen Kraftakt von Politik, Meinungsbildnern und Wirtschaft, um das Bewusstsein in der Bevölkerung für die persönlich und gesellschaftlich unverzichtbare Bedeutung von Arbeit und ihr Ansehen in der Öffentlichkeit wiederzuerwecken. Held oder Heldin ist nicht, wer im Streben nach Selbstfindung und Selbstverwirklichung unser Sozialsystem strapaziert. Sondern vielmehr jene, die als Leitfaden allgemeingültige Pflichten und Rechte in der Gesellschaft achten und in diesem Rahmen Persönlichkeit entwickeln und unsere Gesellschaft schützen,

meint Ihre

Chinas „Silk Road“: Siegerstraße oder Irrweg?

Die Seidenstraßeninitiative und ihre geopolitischen Auswirkungen auf die Kärntner Wirtschaft analysierte Sicherheitsexperte Gunther Hauser von der Landesverteidigungsakademie im WB-Kärnten-Forum.

Will man die Seidenstraßeninitiative, ihre Bedeutung und die Ziele dahinter nur annähernd verstehen, muss man die geopolitischen Pläne Chinas kennen. Davon konnten sich die rund 50 Besucher des jüngsten WB-Forums überzeugen, denen Gunther Hauser, Leiter des Referats Internationale Sicherheit am Institut für Strategie und Sicherheitspolitik der Landesverteidigungsakademie (LVAk) in Wien und ausgewiesener Asien-Spezialist, ein differenziertes Bild zeichnete. Tenor: Mit dem chinesischen Drachen lassen sich gute Geschäfte machen – aber mit Respektabstand.

Über die Seidenstraße bis nach Europa

Den bösen Lindwurm konnte die tapferen Kärntner Bauern besiegen, der chinesische Drache ist aber auf den ersten Blick gar nicht angriffslustig und zerstörerisch. Im Gegenteil: Er ist äußerst hilfsbereit, vor allem aber, wenn man sich in finanzieller Not befindet. So konnte etwa Griechenland mit dem Verkauf des strategisch wichtigen Hafen Piräus seine Staatsschulden abbauen, hat sich aber gleichzeitig vom neuen Mehrheitseigentümer, der chinesischen Reederei Cosco, abhängig gemacht. Piräus ist neben Rotterdam und Antwerpen nur einer von mehr als 14 Häfen und Terminals, die China in Europa bereits besitzt bzw. an denen China Anteile hält.

Die neue Seidenstraße ist ein wichtiges Puzzleteil in Chinas Weltmachtstreben

In nur wenigen Jahrzehnten hat sich China von einem rückständigen Land zur wirtschaftlichen Supermacht entwickelt. Im Jahr 2049 wird das 100-jährige Jubiläum der Volksrepublik gefeiert – und bis dahin will Staatspräsident Xi Jinping das Land zur wirtschaftlichen Nummer eins in der Welt machen. Dieser Plan zur „Erneuerung der Nation“ und zum „Wiedererlangen des nationalen Stolzes“ ist äußerst engagiert:

  • Bis 2025 will man in 10 Schlüsseltechnologien die Weltspitze erlangen.
  • Bis 2035 soll China eines der innovativsten Länder der Welt werden (starke Mittelklasse, weitgehend beseitigte Kluft zwischen Arm und Reich).
  • Bis 2049 will China einen führenden Einfluss auf der Weltbühne durch ein „wirtschaftlich und militärisch stärkeres China“ haben.

Gesteuert wird der kometenhafte Aufstieg von der allmächtigen kommunistischen Volkspartei, die jeden Bereich des persönlichen Lebens und natürlich auch die komplette Wirtschaft kontrolliert: Auch jedes ausländische Unternehmen mit Sitz in China wird von einem Regierungsvertreter überwacht.

„Europa muss vorsichtiger sein“

China ist für die europäischen Staaten nicht nur als Investor relevant, sondern auch ein wichtiger Handelspartner. Trotzdem ist die Sorge vor dem „Drachen“ gewachsen: Deutschlands neue Sicherheitsstrategie geht auf vorsichtige Distanz, und auch Italien hat auf Anraten von Frankreich die Notbremse gezogen und eine weitere Beteiligung Chinas an den Häfen Venedig und Triest unterbunden. Künftig sollen wichtige Produkte wieder vermehrt in Europa hergestellt und kritische Technologien – vor allem solche, die auch militärisch genutzt werden können – nicht mehr exportiert werden.

Was bedeutet das für die Kärntner Wirtschaft?

Durch seine Lage an der Baltisch-Adriatischen Achse, aber auch durch den in Aufbau befindlichen Zollkorridor zwischen Villach/Fürnitz und dem größten Adriahafen Triest rückt der Wirtschaftsstandort Kärnten aus der früheren Randlage endgültig ins Zentrum Europas. Das bringt dem neuen „Wirtschaftsraum Süd“ mehr internationale Sichtbarkeit – sicher auch bei chinesischen Kapitalanlegern und Geschäftspartnern. Sicherheitsexperte Hauser rät allerdings, sich besonders bei Beteiligungen immer vor Augen zu halten, mit wem man es zu tun hat: Damit aus freigiebigen Investoren nicht plötzlich unternehmerische Invasoren werden.