Wirtschaft fordert Versicherung gegen Hochwasser und Extremwetter
Dürre, Starkregen und Hochwasser verursachen immer höhere wirtschaftliche Schäden. Besonders für Unternehmen können Naturkatastrophen schnell existenzbedrohend werden. Der Wirtschaftsbund Kärnten unterstützt deshalb die Forderung nach einer österreichweit einheitlichen Versicherungslösung für Naturkatastrophen.
Wie groß das Risiko bereits ist, zeigen aktuelle Zahlen: Laut Österreichischer Hagelversicherung belaufen sich allein die Dürreschäden in der heimischen Landwirtschaft auf rund eine Milliarde Euro. Gleichzeitig haben Hochwasser und andere Extremwetterereignisse Kärnten in den vergangenen Jahren massiv getroffen.
Hochwasser und Extremwetter in Kärnten: Die wichtigsten Zahlen
- 194,46 Mio. Euro Schäden durch Extremwetterereignisse in Kärnten zwischen 2019 und 2023.
- 56 von 416 österreichischen Hochwasserrisikogebieten mit jeweils mehr als 500 potenziell Betroffenen liegen in Kärnten.
- Nur rund 5 Prozent der Werte von Haushalten und Unternehmen waren laut einer Schätzung aus 2022 gegen Hochwasserschäden versichert.
- Im Schnitt wurden zwischen 2015 und 2023 rund 31 Prozent der Schäden am privaten Vermögen durch Beihilfen des Landes abgedeckt.
- Etwa 237 Mio. Euro wurden zwischen 2010 und 2023 in Kärnten in Hochwasserschutzanlagen investiert.
Für Franz Ahm, Obmann der Sparte Information und Consulting der Wirtschaftskammer Kärnten, zeigen diese Zahlen den Handlungsbedarf: „Bei Unternehmen sind nicht nur Gebäude gefährdet, sondern auch Maschinen, Warenlager und Produktionsanlagen. Ein einziges Extremwetterereignis kann damit zur Existenzfrage werden.“
Versicherung gegen Naturkatastrophen: Große Lücke bei der Absicherung
Technischer Hochwasserschutz ist unverzichtbar, kann aber keine vollständige Sicherheit bieten. Auch der Rechnungshof hält fest, dass ein absoluter Schutz vor Hochwasser nicht möglich ist. Gleichzeitig reichen staatliche Katastrophenhilfen vielfach nicht aus, um entstandene Schäden vollständig abzudecken.
Peter Tschernutter, Obmann der Fachgruppe Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten, fordert daher eine flächendeckende Versicherungslösung.
Konkret geht es um:
- Eine verpflichtende Naturkatastrophendeckung im Versicherungsvertragsgesetz.
- Hochwasser und weitere Naturgefahren in einem flächendeckenden System.
- Risikodifferenzierte Prämien und zumutbare Selbstbehalte.
- Die Prüfung des belgischen Versicherungsmodells als mögliches Vorbild.
- Eine nationale Schaden- und Ereignisdatenbank für eine bessere Risikobewertung.
Ahm und Tschernutter: Vorsorge muss auch für Hochwasser gelten
Ahm und Tschernutter wundern sich in diesem Zusammenhang über die Haltung von Landeshauptmann Daniel Fellner: Wer angesichts zunehmender Hitzeperioden mehr Vorsorge gegen die Folgen extremer Temperaturen fordert, sollte aus ihrer Sicht auch bei Starkregen und Überschwemmungen auf langfristige Vorsorge setzen.
Fellner hatte sich in der Vergangenheit kritisch gegenüber einer verpflichtenden Versicherungslösung für Naturkatastrophen positioniert. Tschernutter: „Vorsorge darf nicht davon abhängen, um welche Form von Extremwetter es sich handelt.“
„Der Wirtschaftsbund Kärnten unterstützt daher eine österreichweit einheitliche Lösung, die Prävention und Versicherungsschutz verbindet. Denn Naturkatastrophen lassen sich nicht generell verhindern – sehr wohl aber kann verhindert werden, dass ihre finanziellen Folgen für Kärntens Unternehmen zur wirtschaftlichen Katastrophe werden“, so Ahm.

WKK/Bauer