Kärnten steuert auf eine Angebotslücke am Wohnungsmarkt zu
Geplante Wohnbauprojekte gibt es in Kärnten viele – gebaut wird jedoch deutlich weniger als vorgesehen. Verzögerte Projekte, steigende Baukosten und schwierige Rahmenbedingungen lassen das Angebot an neuen Wohnungen schrumpfen. Immobilien-Obmann Perkonig warnt vor einer wachsenden Angebotslücke, die Mieter ebenso treffen könnte wie Bauträger und Investoren.
Obwohl in Kärnten zahlreiche Wohnbauprojekte geplant sind, wird ein großer Teil davon nicht oder erst mit erheblicher Verzögerung umgesetzt. Das zeigt die aktuelle Analyse „Wohnbauprojekte in der Pipeline Kärnten 2026“. „In den kommenden Jahren könnte das Angebot an Wohnungen dadurch deutlich hinter der Nachfrage zurückbleiben – mit spürbaren Auswirkungen für Mieter, Bauträger und den gesamten Wohnungsmarkt“, blickt Paul Perkonig, Obmann der Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Kärnten, in eine mögliche Zukunft.
Die größten Herausforderungen im Überblick
- Weniger Wohnungen als geplant: Zahlreiche Bauprojekte werden verschoben oder verkleinert. Bleibt die Bautätigkeit auf dem aktuellen Niveau, wird das Wohnungsangebot die Nachfrage in den kommenden Jahren nicht mehr ausreichend decken.
- Regionale Ungleichgewichte: Der Wohnbau konzentriert sich zunehmend auf die Ballungsräume Klagenfurt und Villach. In mehreren Bezirken entstehen nur wenige oder gar keine größeren Neubauprojekte.
- Kaum Alternativen zum klassischen Wohnungsbau: Rund 96 Prozent der geplanten Wohneinheiten entfallen auf Wohnungen. Reihen- und Doppelhäuser spielen nur eine untergeordnete Rolle, Einfamilienhäuser praktisch keine.
- Anhaltend hohe Nachfrage: Besonders Drei-Zimmer-Wohnungen bleiben gefragt und machen den größten Anteil der geplanten Neubauten aus. Gleichzeitig erhöht die eingeschränkte Bautätigkeit den Druck auf den Mietmarkt.
Druck auf den Wohnungsmarkt wächst
Die aktuellen Marktdaten verdeutlichen die Entwicklung: Neubauwohnungen in Kärnten kosten inzwischen durchschnittlich 5.728 Euro pro Quadratmeter – ein Plus von 5,4 Prozent innerhalb eines Jahres. Gleichzeitig erhalten Käufer mit durchschnittlich 73 Quadratmetern deutlich mehr Wohnfläche als in Wien. „Kärnten bietet im Bundesländervergleich nach wie vor ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagt Paul Perkonig. Die Entwicklung von steigender Nachfrage und einem kleiner werdenden Angebot werde den Druck auf den Wohnungsmarkt in den kommenden Jahren weiter erhöhen, fürchtet der Sprecher der Immobilien- und Vermögenstreuhänder.
Schnellere Genehmigungen und Senkung der Baukosten
Die Immobilien- und Vermögenstreuhänder sehen dringenden Handlungsbedarf, um den Wohnbau wieder anzukurbeln. Gefordert werden verlässliche Rahmenbedingungen für Investoren und Bauträger, schnellere Genehmigungsverfahren sowie Maßnahmen zur Senkung der Baukosten. Nur wenn Projekte wirtschaftlich realisierbar bleiben und ohne lange Verzögerungen umgesetzt werden können, lasse sich ausreichend neuer Wohnraum schaffen und eine weitere Verschärfung der Angebotslücke verhindern.


