E-Dienstauto vor dem Aus? Wirtschaft warnt vor Rückschritt bei Mobilitätswende
Die neuen Steuerpläne für E-Autos sorgen für massiven Widerstand. Oskar Dörfler, Obmann des Kärntner Fahrzeughandels, befürchtet Mehrkosten, weniger Investitionen und einen Rückschlag für die E-Mobilität. Besonders kritisch: Die gleichzeitig angekündigte Entlastung bei den Lohnnebenkosten könnte durch die Regierungspläne sofort wieder verpuffen.
Die Diskussion um den möglichen Wegfall der Sachbezugsbefreiung für E-Dienstautos sorgt in der Wirtschaft für scharfe Kritik. Oskar Dörfler, Sprecher des Fahrzeughandels in Kärnten, warnt vor einem massiven Rückschritt für die betriebliche Elektromobilität und sieht tausende Unternehmen sowie Beschäftigte direkt betroffen.
Im Zentrum steht der Plan, den steuerlichen Vorteil für elektrisch betriebene Dienstfahrzeuge einzuschränken oder ganz abzuschaffen. Bisher galt für reine E-Autos ein Sachbezug von null Prozent – ein wesentlicher Anreiz für Unternehmen, auf emissionsfreie Mobilität umzusteigen und eine lohnende Bonifikation für MitarbeiterInnen. Dörfler sieht darin ein gefährliches Signal: „Wer den Sachbezug kippt, verteuert E-Mobilität genau dort, wo sie derzeit am stärksten wächst: im Unternehmensbereich.“
Entlastung wird gleich wieder aufgefressen
Besonders kritisch bewerten die heimischen Unternehmen den Zeitpunkt der Debatte. Erst kürzlich wurde die Senkung der Lohnnebenkosten als wichtiger Schritt für den Wirtschaftsstandort präsentiert. Genau diese Entlastung droht nun jedoch durch neue Belastungen wieder neutralisiert zu werden.
Für viele Betriebe bleibt dadurch unter dem Strich kaum ein Vorteil übrig. Gerade Fuhrparks spielen in vielen Branchen eine zentrale Rolle – vom Vertrieb über technische Dienstleistungen bis zum Handwerk. Höhere Belastungen treffen daher nicht nur große Unternehmen, sondern vor allem mittelständische Betriebe.
Was der Wegfall konkret bedeuten würde
Die wirtschaftlichen Auswirkungen wären unmittelbar spürbar. MitarbeiterInnen mit E-Dienstwagen müssten mit deutlich höheren monatlichen Belastungen rechnen, Arbeitgeber höhere Abgaben leisten. Am Ende bliebe am Monatsende weniger Nettoverdienst für die MitarbeiterInnen.
Rechenbeispiele aus der Praxis
- Aktueller Lohn mit Sachbezug E-Auto von 140 Euro monatlich: Dienstnehmer 873,48 netto weniger im Jahr. Das entspricht einer Kürzung von 4,3 Prozent. Mehrkosten für Unternehmer 482,28 pro Jahr.
- Aktueller Lohn mit Sachbezug E-Auto von 280 Euro monatlich: Dienstnehmer 1.770,24 netto weniger im Jahr. Das entspricht einer Kürzung von 8,4 Prozent. Mehrkosten für Unternehmer 964,70 Euro pro Jahr.
- 1750 Euro Nettolohn trotz Sachbezug E-Auto von 140 Euro monatlich: Dienstnehmer hat gleiches Netto durch Ausgleich durch den Arbeitgeber. Mehrkosten für Unternehmer pro Jahr: 3.237,94 Euro
- 1750 Euro Nettolohn trotz Sachbezug E-Auto von 280 Euro monatlich: Dienstnehmer hat gleiches Netto durch Ausgleich durch den Arbeitgeber. Mehrkosten für Unternehmer pro Jahr 6.097,10 Euro
Die Wirtschaft sieht darin nicht nur ein Steuerproblem, sondern eine standortpolitische Fehlentscheidung.
Betriebe als Treiber der E-Mobilität
Tatsächlich kommt ein großer Teil der Neuzulassungen von Elektroautos aus dem Unternehmensbereich. Firmenfahrzeuge gelten als entscheidender Motor für die Verbreitung neuer Technologien, weil sie schneller erneuert werden und nach einigen Jahren auf den Gebrauchtwagenmarkt gelangen.
Genau deshalb warnt Dörfler vor einem Dominoeffekt: „Weniger E-Dienstautos bedeuten langfristig auch weniger leistbare gebrauchte Elektrofahrzeuge für Privatpersonen.“
Forderung nach Planungssicherheit
Der Kärntner Fahrzeughandel fordert daher klare und langfristige Rahmenbedingungen statt kurzfristiger Kurswechsel. Unternehmen brauchen Verlässlichkeit, um Investitionen planen zu können. Für Obmann Oskar Dörfler ist klar: „Wer Investitionen in klimafreundliche Mobilität will, darf funktionierende Anreize nicht zerstören.“
Die Branche fordert deshalb:
- Beibehaltung der Sachbezugsbefreiung für E-Autos
- langfristige steuerliche Planungssicherheit
- technologieoffene Mobilitätspolitik
- keine zusätzlichen Belastungen für Betriebe
- Zumindest Bestandsschutz für bereits abgeschlossene Verträge
Die Sorge in der Wirtschaft wächst damit weiter: Aus einer angekündigten Entlastung könnte innerhalb weniger Wochen ein neues Belastungspaket werden.


