Paketabgabe ab Herbst: Warum heimische Händler und Konsumenten draufzahlen
Ab 30. September kommt die neue Paketabgabe. Eigentlich sollte sie faireren Wettbewerb schaffen und den stark wachsenden Onlinehandel stärker an den Kosten beteiligen. Im Handel wächst aber die Sorge, dass am Ende vor allem österreichische Betriebe und ihre Kunden belastet werden, während das ursprüngliche Ziel verfehlt wird.
Die neue Regelung sieht eine Abgabe von zwei Euro pro Paketsendung vor. Hintergrund ist die Finanzierung der geplanten Senkung der Umsatzsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel, die den Staat rund 400 Millionen Euro jährlich kosten wird. Die Paketabgabe soll davon künftig 280 Millionen Euro pro Jahr einbringen.
Anders als ursprünglich angekündigt wird die Abgabe nicht nur für Pakete aus Drittstaaten gelten. Rechtlich nicht umsetzbar war eine Beschränkung auf Importe aus China oder andere Nicht-EU-Staaten. Stattdessen betrifft die Regelung nun auch inländische Paketzustellungen an Endverbraucher.
Aus Sicht des Wirtschaftsbunds Kärnten verfehlt die Maßnahme damit ihr eigentliches Ziel, nämlich gegen die Wettbewerbsverzerrung vorzugehen, die der heimischen Branche durch die Paketflut von Temu und Shein entsteht. Markus Miklautsch, Obmann des Versand- und Internethandels warnt: „Am Ende zahlen nicht internationale Plattformen allein – sondern heimische Händler und Konsumenten gleich mit.“
Wer tatsächlich betroffen ist
Besonders kritisch bewerten die Online-Händler die konkrete Ausgestaltung. Die Abgabe wird in zwei Szenarien fällig:
- wenn große Versandunternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz im Versandhandel Waren direkt an Endkunden versenden
- wenn heimische Unternehmen ihre Produkte über große Plattformen oder Online-Marktplätze verkaufen – unabhängig davon, ob sie selbst diese Umsatzgrenze erreichen
Damit betrifft die neue Regelung nicht nur internationale Konzerne, sondern auch österreichische Händler, die Plattformen als Vertriebskanal nutzen.
Allein in Kärnten sind laut Branchenvertreter Miklautsch rund 500 Versandhändler betroffen. Hinzu kommen zahlreiche stationäre Händler, die ergänzend Onlinevertrieb betreiben.
Die Steuer wird grundsätzlich vom Versandhändler eingehoben und an die Finanz abgeführt. Erfolgt die Bestellung über Plattformen wie Amazon, gelten diese als Versandhändler. Die Belastung dürfte jedoch über Gebühren und Preisaufschläge an die Anbieter weitergegeben werden.
Hohe Kosten treffen auf knappe Margen
Aus Sicht des Onlinehandels kommt die neue Abgabe zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Wer bereits über Plattformen verkauft, trägt heute mehrere Kosten gleichzeitig:
- Mehrwertsteuer
- Umsatzbeteiligungen der Plattform
- Marketingkosten
- Logistik- und Versandgebühren
- Lager- und Fulfillmentkosten
Die Paketabgabe kommt künftig zusätzlich dazu.
Markus Miklautsch sieht darin ein strukturelles Problem: „Viele Händler arbeiten bereits mit knappen Margen. Für kleinere Anbieter bleibt oft nur, die Zusatzkosten an Kunden weiterzugeben – oder auf Erträge zu verzichten.“ Im ungünstigsten Fall könnten bis dato funktionierende Geschäftsmodelle unter zusätzlichen Kostendruck geraten.
Ein weiterer negativer Aspekt ist, dass die Paketabgabe bei Zustellung fällig wird, das gilt auch, wenn das Paket vom Empfänger später zurückgeschickt wird. Im schlimmsten Fall erhält der Händler zwar seine Ware zurück, bleibt aber auf der Paketabgabe sitzen.
Nicht jede Lieferung wird besteuert
Der Gesetzesentwurf sieht allerdings Ausnahmen vor. Nicht betroffen sind:
- Käufe direkt im Geschäft mit späterer Zustellung
- Click & Collect
- Lieferungen, die Händler selbst durchführen
- Privatverkäufe über Plattformen
Außerdem können Händler künftig wählen, ob sie die Abgabe pro Bestellung oder pro Paket abrechnen. Das soll verhindern, dass Bestellungen mit mehreren Paketen mehrfach belastet werden.
Europäische Lösung statt neuer Abgaben
Aus Sicht des Wirtschaftsbunds Kärnten braucht es daher andere Instrumente. Der Fokus sollte stärker auf europäischen Lösungen liegen – etwa auf der geplanten EU-Zollreform, die bei großen internationalen Massenversendern ansetzen soll.
Markus Miklautsch sieht dort deutlich mehr Potenzial: „Wer faire Wettbewerbsbedingungen schaffen will, muss dort ansetzen, wo die großen Mengen entstehen – nicht bei regionalen Betrieben, die ohnehin bereits hohe Kosten tragen.“

Studiohorst