Lohnnebenkosten: Regierung beschließt Senkung
Die Einigung im Budget bringt einen Punkt zurück auf die wirtschaftspolitische Bühne, für den der Wirtschaftsbund in Österreich seit Jahren kämpft: geringere Lohnnebenkosten. Aber erst die Detailverhandlungen über die Finanzierung werden zeigen, wie viel Entlastung wirklich bei den Unternehmen ankommen wird.
Die Reduktion der Lohnnebenkosten gilt seit Jahren als zentraler Hebel, um den Wirtschaftsstandort Österreich wettbewerbsfähiger zu machen. Hohe Abgaben auf Arbeit bremsen Investitionen, erschweren Neueinstellungen und schwächen die internationale Konkurrenzfähigkeit. Der Wirtschaftsbund hat sich seit Jahren für eine effektive Reduktion der Kosten auf Arbeit eingesetzt.
Die nun beschlossene Senkung um ein Prozent ist daher mehr als nur ein budgetärer Schritt – sie ist das Ergebnis eines langen politischen und wirtschaftlichen Ringens. „Die Senkung der Lohnnebenkosten ist ein überfälliger Schritt, wenn auch kein großer Wurf. Unsere Betriebe brauchen mehr Luft zum Atmen, gerade im internationalen Wettbewerb und vor dem Hintergrund der angespannten wirtschaftlichen Lage“, bringt WK-Präsident Jürgen Mandl die Tragweite der Regierungsentscheidung auf den Punkt.
Wettbewerbsfähigkeit bleibt zentrale Herausforderung
Trotz dieses Fortschritts bleibt der Handlungsdruck hoch. Österreich zählt nach wie vor zu den Ländern mit einer der höchsten Abgabenquoten auf Arbeit in Europa.
Für viele Unternehmen bedeutet das konkret:
- geringere Spielräume für Investitionen
- steigender Kostendruck
- zunehmende Schwierigkeiten bei der Mitarbeitergewinnung
Mandl warnt daher vor falscher Selbstzufriedenheit: „Die Senkung ist ein ist ein wichtiges Signal, aber kein Endpunkt bei den nötigen Reformen. Wer im globalen Wettbewerb bestehen will, muss dauerhaft an den strukturellen Kosten arbeiten. Es darf allerdings auch nicht passieren, dass die Entlastungen durch neue oder versteckte Belastungen wieder aufgefressen werden. Am Ende zählt, was tatsächlich im Unternehmen bleibt.“
Unsicherheit bei der Umsetzung
Ein Kritikpunkt ist der Zeitpunkt der Umsetzung. Viele Maßnahmen greifen erst verzögert 2028 – zu einem Zeitpunkt, an dem zahlreiche Betriebe bereits massiv unter Kostensteigerungen leiden. Gerade in konjunkturell angespannten Zeiten wäre eine rasch wirksame Entlastung entscheidend gewesen.

Helge Bauer