Der Wirtschaftsraum Südösterreich endet im Lavanttal
Die Koralmbahn gilt als Jahrhundertprojekt für den Süden Österreichs. Sie verkürzt Wege und schafft neue wirtschaftliche Chancen. Wegen des bestehenden Stückelungsverbots der ÖBB ist eine Bahnfahrt mit einem bestehenden Klimaticket aus der Steiermark oder Kärnten derzeit aber ohne Mehrkosten unmöglich.
Kärnten und die Steiermark wachsen zusammen. Es entsteht ein gemeinsamer Wirtschaftsraum. Doch ausgerechnet die Koralmbahn, die diese Entwicklung erst ermöglicht hat, schürt bei den Fahrgästen der ÖBB derzeit Unmut. Grund dafür ist das sogenannte Stückelungsverbot: Im Fernverkehr der Österreichischen Bundesbahnen dürfen Fahrten nicht in günstigere Teilstrecken aufgeteilt werden. Das verteuert Verbindungen künstlich.
In der Praxis bedeutet das: Wer bereits zwei regionale Klimatickets besitzt und dafür rund 1.000 Euro im Jahr bezahlt, kann die direkte Verbindung zwischen Kärnten und der Steiermark trotzdem nicht ohne zusätzliche Kosten nutzen. Die zentrale Achse bleibt also trotz Vorleistung kostenpflichtig, da sich beide Tickts nicht kombinieren lassen.
Wer zahlt drauf?
Für PendlerInnen summiert sich das auf bis zu 300 Euro Mehrkosten im Monat. Studierende, die regelmäßig zwischen Wohn- und Studienort pendeln, sind ebenso betroffen. Für beide Gruppen wird die Bahn damit unattraktiver – trotz schneller Verbindung.
WK-Vizepräsidentin Nika Basic: „Die Koralmbahn kann nur attraktiv für PendlerInnen sein, wenn sie leistbar ist. Ein Tarifsystem, das künstlich verteuert, geht an der Realität vorbei. Pendlerinnen und Pendler sowie Studierende dürfen nicht die Leidtragenden sein. Mobilität muss bezahlbar bleiben.“
ÖVP-Petition: Druck für ein faires System
Eine Petition der Volksparteien Steiermark und Kärnten fordert nun die Abschaffung des Stückelungsverbots. Ziel ist ein transparentes, nutzerfreundliches Tarifsystem, das Wettbewerb ermöglicht und reale Mobilitätsbedürfnisse abbildet. Denn klar ist: Infrastruktur allein reicht nicht. Sie muss auch sinnvoll nutzbar sein.
Die Lösung: Flexibilität statt Einschränkung
Ein modernes Tarifsystem für die Koralmbahn soll drei Prinzipien erfüllen: Preistransparenz, Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit. Fahrgäste müssen nachvollziehen können, warum sie welchen Preis zahlen. Basic: „Die Kombination von Tickets darf nicht bestraft werden. Das Stückelungsverbot darf kein Hemmschuh für das Zusammenwachsen beider Bundesländer bedeuten.“ Basic sieht nun die ÖBB sowie die Länder Kärnten und Steiermark in der Pflicht, zeitnah eine praktikable Lösung zu finden. „Wie es gemacht werden könnte, zeigen Verbünde wie der Verkehrsverbund Ost-Region, der Wien, Niederösterreich und das Burgenland zu einer einheitlichen Verkehrszone zusammenfasst,“ regt Vize-Präsidentin Basic die Gründung eines Verkehrsverbundes Südösterreich an.


