Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben angespannt: steigende Kosten, volatile Märkte, zurückhaltende Investitionen. Dennoch entscheiden sich in Kärnten immer mehr Menschen für den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Zahlen für 2025 bestätigen das: Mit 2.348 Neugründungen liegt Kärnten rund vier Prozent über dem Vorjahreswert.
Erfreulich ist, die Wirtschaft wird immer weiblicher: Mit einem Frauenanteil von 48,2 Prozent liegt Kärnten deutlich über dem österreichweiten Durchschnitt. Auch das Durchschnittsalter von 36,9 Jahren steht für eine junge, aktive Gründerszene. Besonders stark ist die Dynamik bei den unter 30-Jährigen. Die höchsten Zuwächse verzeichnen die Altersgruppen unter 20 sowie zwischen 20 und 30 Jahren. Gründen ist damit längst kein Nischenthema mehr, sondern eine reale Option für junge Menschen, die ihre berufliche Zukunft selbst gestalten wollen.
Gegründet wird nicht nur in Ballungszentren
Die meisten Gründungen entfallen auf Klagenfurt-Stadt, gefolgt von Spittal an der Drau und Klagenfurt-Land. Setzt man die Zahlen ins Verhältnis zur Einwohnerzahl, wird besonders intensiv in Klagenfurt und im Bezirk Hermagor gegründet. Die Daten zeigen, dass sowohl urbane Zentren wie auch periphere Regionen GründerInnen anziehen – allerdings aus unterschiedlichen Motiven: hier Markt- und Netzwerknähe, dort regionale Verankerung und Nischenpotenziale. Drei von vier GründerInnen starten allein, oft mit überschaubarem Kapitaleinsatz und hoher persönlicher Verantwortung.
Die Top3 Gründerbranchen
- Gewerbe und Handwerk (38,2 %)
- Handel (25,6 %)
- Information und Consulting (21,4 %)
Bemerkenswert ist die Stabilität der Kärntner Gründungen. Nach drei Jahren sind rund 82 Prozent der Unternehmen noch aktiv – ein Spitzenwert in Österreich. Diese Nachhaltigkeit spricht für realistische Geschäftsmodelle und eine solide Vorbereitung.
Verantwortung übernehmen – mit Hürden
Gründungsfreude allein reicht allerdings nicht aus. Die Zahlen zeigen auch, wo es für viele UnternehmerInnen schwierig wird: Der Zugang zu Kontakten, rechtliche Anforderungen, Sozialversicherung sowie Steuern und Abgaben bleiben zentrale Herausforderungen. Diese Punkte werden seit Jahren benannt und haben auch 2025 nicht an Relevanz verloren.
WKK-Vizepräsidentin Astrid Legner ordnet die Entwicklung ein: „Die steigenden Gründungszahlen zeigen, dass Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig sehen wir, dass strukturelle Hürden vielen den Start erschweren. Wenn wir Gründungen wollen, müssen Prozesse einfacher und planbarer werden.“
Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist Planungssicherheit entscheidend. Viele GründerInnen starten als EinzelunternehmerInnen und tragen finanzielle Risiken unmittelbar selbst. Komplexe Verfahren oder schwer kalkulierbare Abgaben wirken hier besonders bremsend.
Wirtschaftliche Wirkung über den einzelnen Betrieb hinaus
Neugründungen entfalten ihre Wirkung über das eigene Unternehmen hinaus. Sie erzeugen Wertschöpfung entlang ganzer Ketten. Eine volkswirtschaftliche Analyse zeigt, dass neu gegründete Unternehmen in Kärnten im Jahr 2023 eine regionale Wertschöpfung von mehr als 257 Millionen Euro ausgelöst haben. Zusätzlich sichern sie direkt und indirekt rund 3.500 Arbeitsplätze. Mit etwa 156 Millionen Euro an Steuern und Abgaben leisten sie einen relevanten Beitrag zur Finanzierung öffentlicher Leistungen und der Sozialversicherung.
Diese Effekte verdeutlichen, warum Gründungen aus wirtschaftspolitischer Sicht mehr sind als individuelle Karrieren. Sie stabilisieren Regionen, schaffen Beschäftigung und erhöhen die wirtschaftliche Resilienz. Gerade in einem Bundesland mit vielen klein- und mittelständischen Strukturen ist dieser Effekt zentral.
Gründungen in Zahlen
- 2348 Neugründungen (2025)
- 48,2 % Gründerinnen
- 36,9 Jahre Durchschnittsalter
- 82 % der Unternehmen existieren auch drei Jahren nach der Gründung noch
- 257 Mio. Euro regionale Wertschöpfung
Neugründungen leisten einen messbaren Beitrag zu Beschäftigung, Steuern und wirtschaftlicher Stabilität.
Motive: Selbstbestimmung statt Notlösung
Entgegen weit verbreiteter Annahmen erfolgt der Schritt in die Selbstständigkeit überwiegend aus eigenem Antrieb. Im Vordergrund stehen Flexibilität, Gestaltungsfreiheit und der Wunsch, eigene Ideen umzusetzen. Für viele GründerInnen ist Unternehmertum kein kurzfristiger Ausweg, sondern eine bewusste Lebensentscheidung.
„Die meisten GründerInnen entscheiden sich nicht aus Mangel an Alternativen, sondern aus Überzeugung. Sie wollen Verantwortung übernehmen und Dinge selbst gestalten. Das ist eine Stärke, auf der ein Standort aufbauen kann“, umschreibt Legner die Beweggründe der Neu-UnternehmerInnen.
Ein weiterer entscheidender Pluspunkt, um selbst zu gründen: Für Menschen mit Berufserfahrung bietet die Selbstständigkeit eine Möglichkeit, Know-how gezielt einzusetzen und neue Perspektiven zu eröffnen. Kärnten profitiert davon, weil Erfahrung im Land gehalten wird, so Arbeitsplätze entstehen und Wertschöpfung generiert wird, die den Wirtschaftsstandort stärkt und somit allen KärntnerInnen zugute kommt.
Ein Fix-Termin für GründerInnen und Menschen, die daran interessiert sind, selbstständig zu werden, ist der Tag der Gründung der Wirtschaftskammer Kärnten am 26. März 2026. Hier gibt es ein vielfältiges und spannendes Programm zu den unterschiedlichen Aspekten der Unternehmensgründung in Form von Keynotes, Workshops und Impulsvorträgen.