Freizeit für alle: Schluss mit Lücken und Luxus
Wir wollen, dass junge Menschen in Kärnten bleiben oder sogar nach Kärnten kommen, hier arbeiten, Unternehmen gründen, Kinder großziehen. So weit, so richtig. Aber was passiert, wenn sie hier ankommen?
Dann stellen viele rasch fest: Ja, die Landschaft ist schön. Ja, die Lebensqualität könnte hoch sein. Aber wo sind die Freizeitangebote für junge Menschen und Familien? Treffpunkte für Neo-KärntnerInnen? Kulturelle Angebote, die nicht erst in Villach oder Klagenfurt starten? Meist Fehlanzeige – oder am Wege wegrationalisiert zu werden. Auch eine aktuelle Studie der Jungen Wirtschaft zum Thema Standortzufriedenheit bestätigt, dass viele Junge mit dem derzeitigen Freizeitangebot unzufrieden sind.
Freizeit ist kein Nebenschauplatz
Wer Kärnten nur als Urlaubsort oder Arbeitsplatz versteht, verliert die besten Leute. Denn seien wir ehrlich: Wer unter der Woche alles gibt, will nicht sparen müssen, um am Wochenende mit den Kindern ins Schwimmbad, zur Musikschule oder ins Theater zu gehen. Und man will nicht jedes Mal ins Auto steigen müssen, um überhaupt ein halbwegs attraktives Angebot zu erreichen. Freizeit ist in unserer Kultur kein Nebenschauplatz mehr – sie ist essenziell für Lebensqualität, für Integration, für Bleibeperspektive.
Und was tut die Politik? Sie setzt den Rotstift an. Ausgerechnet dort, wo Zukunft gestaltet wird: bei Kulturinitiativen, bei familienfreundlichen Angeboten, in der Förderung von Freizeiteinrichtungen. Die Budgets schrumpfen – und mit ihnen das Vertrauen der Menschen – vor allem der Jungen, dass es sich lohnt, hier langfristig Wurzeln zu schlagen.
Das ist nicht Sparsamkeit – das ist Standort-Sabotage
Wer will, dass Menschen bleiben oder nach Kärnten kommen, muss ihnen mehr bieten als einen Arbeitsplatz. Er muss ihnen ein Leben bieten. Mit Erholungsräumen, Sportstätten, Musikschulen, Parks, Kulturangeboten, Freibädern, Jugendzentren u.v.m. Es geht nicht um Luxus, sondern um Normalität. Wenn Freizeitangebote zur Kostenfrage werden oder nur in den Ballungszentren existieren, verlieren wir genau jene, die wir dringend halten wollen: gut ausgebildete junge Menschen mit Zukunftsplänen.
Was Kärnten jetzt braucht:
- Ein modernes Freizeitangebot mit digitaler Landkarte und einer starken Kampagne, die zeigt, was unser Land zu bieten hat – für Singles, Paare und Familien
- Den politischen Mut, Freizeit- und Familienangebote als Investition in den Standort zu sehen, nicht als entbehrlichen Kostenfaktor
- Eine klare Schwerpunktsetzung auf leistbare, wohnortnahe Angebote – von Lavamünd bis Heiligenblut.
- Mehr Förderungen für lokale Initiativen, Vereine und Gemeinden, die Kultur, Bewegung und Begegnung ermöglichen
Denn die Generation Z entscheidet nicht zuerst nach Jobangebot – sie entscheidet nach dem Lifestyle. Und wenn Kärnten zwar Arbeit bietet, aber kein Leben, dann bleibt von der vielzitierten Lebensqualität bald nichts mehr übrig, meint Ihre
Sylvia Gstättner
Direktorin des Kärntner Wirtschaftsbundes


























